Bottom-Up bei Stress: Vom inneren Alarm zur echten Entwarnung

Wenn eine E-Mail plötzlich alles auslöst

Eine kleine Alltagssituation – und dein System steht auf Alarm

Eine E-Mail.
Kurz. Knapp. Ohne freundliche Einleitung.
Vielleicht sogar mit einer Rückfrage zu etwas, das du „hättest wissen müssen“ oder ein Hinweis auf einen Fehler, den du gemacht hast.

Wenn der Verstand weiß, dass alles okay ist – aber der Körper nicht

Warum klassische Stressstrategien oft zu spät kommen

Du sitzt an deinem Schreibtisch, liest die Zeilen –
und plötzlich spürst du, wie sich dein ganzer Körper anspannt.
Der Hals wird eng, der Brustkorb schwer, dein Herz klopft, vielleicht steigt ein diffuses Gefühl von Schuld oder Überforderung auf.

Rational weißt du: Es ist nur eine E-Mail.
Vielleicht ist sie gar nicht böse gemeint.
Und doch hat sie etwas in dir ausgelöst – und dein Körper reagiert schneller, als du denken kannst.

Solche Momente sind dir wahrscheinlich auch vertraut.
Und die gängigen Ratschläge klingen dann so:
Tief durchatmen. Positiv umdeuten. Entspannen. Darüber sprechen.

Doch diese Strategien setzen erst dann an, wenn der Stress schon da ist.

Wie mein System lernte, nicht mehr automatisch zu reagieren

Ein persönlicher Weg vom Verstehen zur Veränderung

Bei mir war es genau so.
Ich kannte meine Muster, verstand ihre Herkunft –
und doch war mein Körper blitzschnell im Alarm, sobald eine bestimmte Situation auftauchte.

Erst durch den Bottom-Up-Prozess und das tiefere Verständnis meiner Innenwelt hat sich etwas in der Tiefe verändert.
Nicht von heute auf morgen. Aber spürbar.

Mit der Zeit hat mein System gelernt, solche Situationen neu zu bewerten. Diese Neubewertung verändert dann alles. Das geschieht nicht durch den bewussten Verstand, sondern geht tief ins unbewusste System. Wenn das versteht, dass die Situation zwar unangenehm ist, aber nicht überlebensrelevant, dann kann sich die automatische Reaktion verändern.

Heute bekomme ich dieselbe Art E-Mails oder erlebe andere Situationen, die früher sofort eine Stressreaktion ausgelöst hätten. Heute spüre vielleicht noch einen kurzen Impuls, aber keine Überwältigung mehr. Keine Flut. Kein inneres Wegducken.

Nicht, weil ich mich besser im Griff habe.
Sondern, weil mein System sich selbst beruhigt hat.
Weil die alten Reaktionsketten an Kraft verloren haben.

Was passiert bei Stress in unserem Gehirn?

Die drei Gehirne und ihre ganz eigenen Rollen

Unser Gehirn arbeitet nicht als einheitliches System, sondern in drei sehr unterschiedlichen Bereichen:
dem ältesten Bereich – das Reptiliengehirn, dem sozialen Gehirn und dem Großhirn. Dies ist eine Einteilung, die die Reaktionen verständlicher macht.
Jeder Teil erfüllt eine eigene Funktion – und hat seine ganz eigene Art, Situationen zu bewerten.

Das Großhirn trifft irgendwann im Leben eine Bewertung.
Zum Beispiel: „Fehler bedeuten Ablehnung.“ Oder: „Wenn ich etwas falsch mache, verliere ich vielleicht meinen Job.“
Diese Bewertung entsteht durch Denken, Beobachtung, Erfahrung – und kann auch gesellschaftlich gelernt sein.
Das Großhirn speichert also Regeln und Bedeutungen.

Die unteren Gehirne (Reptiliengehirn und soziales Gehirn) übernehmen dann die Aufgabe, diese Bedeutungen dauerhaft zu überwachen.
Sie „merken“ sich: „Wenn das passiert, ist das gefährlich.“
Und sie schlagen Alarm, sobald ein Reiz auftaucht, der in diese Richtung geht, ohne erst das Großhirn zu fragen. Sie lösen dann die Stressreaktion aus.

Sobald dieser Alarm losgeht (Enge, Stress, Körperreaktion), versucht das Großhirn, die Situation zu verstehen oder zu „reparieren“.
Doch wenn das Gefühl zu stark ist, kann es nicht mehr klar denken. Denn in einer echten Gefahrensituation sind ja ultraschnelle Reaktionen gefragt (Kampf, Flucht oder Totstellen).

Wenn das System zu oft Alarm schlägt

Der sensible Alarm und seine Folgen im Alltag

Wenn du viele solcher Bedeutungen in dir trägst, dann steht dein System dauerhaft unter Spannung.

Es ist, als wäre der innere Alarm viel zu fein eingestellt.
Nicht, weil du schwach bist – sondern weil dein Gehirn dich beschützen will.

Doch die Folge davon ist oft chronischer Stress. Und der kann krank machen.
Weil das System ständig auf Gefahr programmiert ist, obwohl keine reale Bedrohung da ist.

Wie der Bottom-Up-Prozess den Alarm neu einstellt

Erfahrung statt Technik. Entwarnung statt Kontrolle.

Und genau hier setzt der Bottom-Up-Prozess an: Nicht im Verstehen der Bewertung – sondern in der Erfahrung, dass die Situation heute nicht mehr gefährlich ist. Und im Umprogrammieren des unbewussten Systems. Du änderst nicht nur eine spezielle Bewertung, denn dann hättest du viel zu tun. Sondern du trainierst dein unbewusstes System so, dass es automatisch eine neue Bewertung diverser Situationen vornimmt, die in Wirklichkeit gar nicht gefährlich sind.

Wenn du deinem System wieder und wieder die Erfahrung gibst:
„Ich bin sicher. Ich darf hier sein. Ich darf atmen und fühlen, was ist.“

Dann beginnt es, seine alten Alarmmuster zu überarbeiten – nicht durch Disziplin, sondern durch echte Entwarnung.

Was ist, wenn mein System traumatisiert ist?

Ein achtsamer Hinweis für tiefere Prägungen

Der Bottom-Up-Prozess wirkt tief – aber er wirkt nicht über Nacht.
Und er ist kein Werkzeug, um alles sofort zu lösen. Es ist eher ein sanftes Training, dass dann nach längerer Zeit seine Wirkung entfaltet

Gerade wenn du Erfahrungen gemacht hast, die dein System sehr stark geprägt haben, also beispielsweise Traumatisierungen, kann es sein, dass bestimmte Reaktionen besonders fest sitzen.

In solchen Fällen braucht es oft mehr Halt, Zeit und wahrscheinlich auch therapeutische Begleitung.

Doch auch dann kann Bottom-Up ein wertvoller Teil deines Weges sein.
Denn jede kleine Entwarnung, jede ehrliche Antwort auf die Frage: „Ist das wirklich gefährlich?“, bringt dein System ein Stück mehr in die Gegenwart zurück.

Möchtest du den ersten Schritt machen?

Ein Geschenk für deinen eigenen Weg

Wenn du damit erste Erfahrungen machen möchtest, dann kannst du dir hier kostenlos meinen Selbstcoaching-Leitfaden herunterladen. Du findest darin einfache Impulse, um mit deinem System in Kontakt zu kommen, ganz in deinem Tempo. Ganz ohne Druck.

Vielleicht ist genau jetzt der Moment, damit zu beginnen.

Selbstcoaching Leitfaden
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1 Gedanke zu „Bottom-Up bei Stress: Vom inneren Alarm zur echten Entwarnung“

  1. Was für ein berührender Beitrag! Du schaffst es, die komplexen Abläufe und Zusammenhänge von Stress auf eine so lebensnahe Art zu erklären, dass man sich sofort erkannt fühlt. Besonders wertvoll finde ich deine ehrlichen Einblicke in den eigenen Weg sowie den Fokus auf echte Erfahrung und Langsamkeit anstatt schnelle Selbstoptimierung. Deine Worte machen Hoffnung, dass tiefe Veränderung möglich ist – mit Geduld, Mitgefühl und achtsamer Selbstbegleitung. Danke für deine ermutigenden Impulse und den Perspektivwechsel: Nicht Kontrolle, sondern liebevolle Entwarnung kann der Schlüssel sein. Dein Leitfaden ist eine große Unterstützung für viele!

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