Inneren Frieden finden: warum der Kampf gegen deine Gefühle dich erschöpft

Ich war müde. Erschöpft. Ja, es gab viel zu tun, doch das allein war nicht der Grund.

Es war viel mehr mein innerer Kampf. Wogegen habe ich gekämpft? Ich habe eigentlich mein ganzes Leben lang gegen meine Gefühle gekämpft. Sehr bewusst geworden ist mir das vor 20 Jahren, als ich als alleinerziehende Mutter mit einem Kleinkind ständig gegen meine eigene Wut gekämpft habe. Damals habe ich mich sehr intensiv mit meiner Wut auseinandersetzen müssen, weil sie immer wieder neu getriggert wurde, wenn mein Kind einen Wutanfall hatte. Erst nachdem ich mich mit meiner eigenen Wut versöhnt hatte, konnte ich auch der Wut meines Kindes wieder gelassener begegnen.

Erschöpfte Frau, müde vom inneren Kampf gegen die eigenen Gefühle

Ich spürte, dass es nicht die äußeren Umstände waren, die mich in die Erschöpfung brachten. Es war meine Art, über diese Umstände zu denken und das, was ich dadurch fühlte. Die dauerhafte innere Anspannung, der stille Kampf gegen mich selbst, das hatte mich müde gemacht.

Zum Glück bin ich neugierig. Ich wollte verstehen, wie meine Psyche wirklich funktioniert. Und je tiefer ich schaute, desto klarer wurde: Innerer Frieden entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Verständnis.

In diesem Artikel möchte ich dich einladen, zu erkennen, warum wir so oft gegen unsere Gefühle kämpfen und wie du wieder Frieden in dir finden kannst.

Innerer Frieden ist kein Zustand, den du herstellst, indem du unangenehme Gefühle loswirst. Er entsteht in dem Moment, in dem du aufhörst, sie zu bekämpfen, und stattdessen verstehst, wofür sie da sind.

Warum kämpfen wir überhaupt gegen unsere Gefühle?

Symbolbild für den inneren Kampf gegen unangenehme Gefühle

Tauchen wir einmal tiefer in das „Vermeiden wollen“ ein. Denn genau dort beginnt der innere Kampf. Ein Kampf, den wir letztlich gegen uns selbst führen.

Der Ursprung liegt in einer scheinbar logischen Idee:

Ich will mich gut fühlen und nicht schlecht

Klingt nachvollziehbar, oder?
Doch wenn wir genauer verstehen, wie unsere Innenwelt funktioniert, erkennen wir, warum uns genau diese Idee in einen Teufelskreis führt.

Denn sie sorgt dafür, dass wir unsere unangenehmen Gefühle vermeiden wollen.
Wir wollen unbedingt, dass sie verschwinden.

Was macht unser System daraus?
Richtig: Es erklärt die „negativen“ Gefühle zu Feinden. Ob Angst, Wut, Resignation, Trauer oder Frust, alles wird innerlich bekämpft.

Und wenn du jetzt denkst: Dann müsste man einfach nur gute Gefühle anstreben, dann ist das leider nur die andere Seite derselben Medaille. Dann strengst du dich an, gute Gefühle zu produzieren und genau das ist genauso erschöpfend. Denn sobald wieder unangenehme Gefühle auftauchen, beginnt der Kreislauf von vorn: Du willst sie vermeiden, erzeugst dadurch neue Anspannung, und diese Anspannung fühlt sich wieder schlecht an. Und schon bist du mitten drin im Teufelskreis gefangen in Gefühlen, die nur entstehen, weil du gegen sie kämpfst.

Wenn wir diesen Mechanismus einmal wirklich begreifen, dann erkennen wir: Der Kampf entsteht nicht durch die Gefühle selbst, sondern durch unsere Haltung ihnen gegenüber. Gefühle sind nicht das Problem. Sie sind die Sprache unseres Inneren. Und genau dort beginnt der Weg heraus aus dem Teufelskreis.

Was sind Gefühle wirklich?

Gefühle verstehen und neu beurteilen, so entsteht innerer Frieden

Gefühle sind keine Feinde, sondern Rückmeldungen. Sie entstehen nicht durch das, was dir passiert, sondern durch die Bedeutung, die du dem gibst, was dir passiert.

Wie kannst du nun aus diesem Teufelskreis aussteigen? Indem du beginnst zu verstehen, wie Gefühle entstehen und wie du sie in einem neuen Licht sehen kannst. Gefühle entstehen durch deine Beurteilung einer Situation. Nicht die Situation selbst macht etwas mit dir, sondern das, was du darüber denkst.

Ein Beispiel:
Du bekommst eine E-Mail von deinem Chef, in der er dich auf einen Fehler hinweist.

Wie du dich danach fühlst, hängt ganz davon ab, welche Bedeutung du dieser Situation gibst:

  • Denkst du, „Ich bin nicht gut genug und werde bald rausgeworfen“ , reagiert dein Körper mit Stress und Angst.
  • Denkst du, „Er kritisiert immer nur mich, das ist unfair“ , wirst du wahrscheinlich wütend und verletzt sein.
  • Denkst du hingegen, „Er meint es gut und will mir helfen, mich weiterzuentwickeln“ , empfindest du vielleicht sogar Dankbarkeit.

Du siehst:
Die gleiche Situation kann völlig unterschiedliche Gefühle erzeugen, je nachdem, welche Geschichte du dir darüber erzählst.

Was wäre also, wenn du ein Gefühl nicht länger als Feind betrachtest, sondern als Freund, der dir etwas zeigen möchte? Gefühle zu akzeptieren, statt sie zu bekämpfen, klingt nach Aufgeben. Es ist das aber Gegenteil. Du kannst deinen Gefühlen zuhören, statt sie wegzuschieben. Dann kannst du wirklich prüfen, ob dieser Freund (dein Gefühl) mit seiner Einschätzung wirklich recht hat. Denn oft wollen Gefühle uns warnen, aber manchmal überschätzen sie die Gefahr. Das liegt daran, dass sie aus tieferen, älteren Bereichen unseres Gehirns kommen. Diese Anteile in uns haben noch alte Programme gespeichert, die nicht immer zur heutigen Realität passen. Dazu gehören alle deine eigenen Erfahrungen, sowie Einschätzungen, die sich in der Evolution von uns Menschen als sinnvoll erwiesen haben. Diese haben allerdings häufig mit der Realität unserer modernen Welt wenig zu tun.

Wenn du beginnst, diese alten Annahmen zu überprüfen und sie sanft zu korrigieren, verändert sich auch dein Gefühl.

Du erkennst zum Beispiel:
Dein Job ist gar nicht in Gefahr. Und selbst wenn etwas schiefgeht, bist du nicht existenziell bedroht. Sobald du das wirklich verinnerlichst, braucht dein System keine Angst mehr zu erzeugen. Dann beruhigt es sich und macht Platz für etwas Neues: inneren Frieden.

Kämpfen vs. Zuhören: der Unterschied im Umgang mit Gefühlen auf einen Blick

KampfZuhören
Was ich denkeDas Gefühl darf nicht da seinDas Gefühl will mir etwas zeigen
Was ich tueWegschieben, ablenken, gute Stimmung erzwingenBleiben, hinhören, prüfen
Was passiertNeue Anspannung, das Gefühl kommt wiederDie Anspannung lässt nach
Wie es sich anfühltDauermüdigkeitFrieden

Solche Gedanken über das Kämpfen und das Aufhören schreibe ich regelmäßig in meiner Herzenspost. Gedanken und Lieder, die dich erINNERn. Hier findest du sie.

Wie findest du inneren Frieden?

Symbolbild für hat inneren Frieden

Indem du aufhörst, sie zu bekämpfen und beginnst, ihnen zuzuhören.

  1. Erkenne, dass Gefühle Freunde sind, keine Feinde. Sie wollen dir nichts antun. Sie wollen dich erinnern.
  2. Heiße sie willkommen. Bleib bei ihnen, auch wenn sie unangenehm sind. Höre, was sie dir sagen wollen. Erkenne, dass sie dich fragen, ob es wirklich so ist.
  3. Korrigiere die alte Annahme, wenn du erkennst, dass ein Gefühl auf ihr beruht. Nicht mit Druck, sondern mit Verständnis

So entsteht Schritt für Schritt eine neue Wahrheit:

Ich muss nichts mehr bekämpfen, um heil zu sein.

Das ist der Moment, in dem dein System loslässt, dein Herz sich entspannt, und du spürst: Frieden war die ganze Zeit da. Ich musste nur aufhören, gegen mich selbst zu kämpfen.

Und wenn ich ehrlich bin, hört mein Gedanke da nicht auf. Ich glaube, dass eine friedlichere Welt dann entsteht, wenn Menschen aufhören, gegen sich selbst zu kämpfen. Wenn jeder Mensch den Kampf gegen sich selbst beendet, kehrt Frieden ganz von allein zurück erst im Inneren, dann im Miteinander. Beweisen kann ich das nicht. Ich habe es nur an mir selbst beobachtet. Sobald ich Frieden mit mir selbst geschlossen hatte, sind auch meine Beziehungen noch friedlicher geworden. Ich begegne Menschen viel empathischer und irgendwie strahlt das auch auf andere aus. Ich bin beispielsweise viel milder mit mir geworden, was das Thema Fehler machen angeht. Und seitdem sind die Hinweise auf meine Fehler von anderen nicht mehr so scharf wie früher. Vielleicht ist das alles, was es braucht. Viele Menschen, bei denen es innen leiser wird.

Probiere es doch gleich selbst einmal aus

Selbstcoaching-Tool

Der Gefühls-Übersetzer

Kennst du das? Ein Gefühl taucht auf, und dein erster Impuls ist, es wegzuschieben. Doch Gefühle sind keine Feinde. Sie sind die Sprache deines Inneren.

In fünf ruhigen Schritten hörst du hier einem Gefühl einmal wirklich zu, statt gegen es zu kämpfen. Alles, was du eingibst, bleibt in deinem Browser.

Schritt 1 von 5

Welche Situation beschäftigt dich gerade?

Ganz konkret. Was ist passiert oder steht an? Zum Beispiel: eine E-Mail vom Chef, ein Satz, den jemand gesagt hat.

Schritt 2 von 5

Situation

Was denkst du über diese Situation?

Nicht das Gefühl – der Gedanke davor. Welche Bedeutung gibst du dem, was passiert ist?

Schritt 3 von 5

Situation
Dein Gedanke

Welches Gefühl löst dieser Gedanke in dir aus?

Wähle, was am nächsten dran ist – oder schreib dein eigenes Wort.

Schritt 4 von 5

Situation
Dein Gedanke
Dein Gefühl

Bleib kurz bei deinem Gefühl. Wovor will es dich warnen?

Gefühle wollen dich erinnern, nicht bestrafen. Welche alte Annahme steckt dahinter? Oft ein Satz wie „Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich bin in Gefahr“.

Schritt 5 von 5

Situation
Dein Gedanke
Dein Gefühl

Prüfe sanft: Stimmt deine Annahme in deiner heutigen Realität wirklich?

Nicht mit Druck. Nur ein ehrlicher Blick.

Wie könntest du es milder und realistischer sehen? Formulier deinen neuen, wahreren Satz:

Dein Ergebnis

Du hast zugehört, statt zu kämpfen.

Das ist der ganze Unterschied. Hier ist, was du gerade gesehen hast:

Die Situation

Dein Gedanke darüber

Das Gefühl, das daraus entstand

Die alte Annahme dahinter

Deine neue Wahrheit

„Ich muss nichts mehr bekämpfen, um heil zu sein.“

Solche Gedanken über das Kämpfen und das Aufhören schreibe ich regelmäßig in meiner Herzenspost. Gedanken und Lieder, die dich erinnern.

Herzenspost entdecken

Häufige Fragen zum Thema innerer Frieden

Wie finde ich inneren Frieden?

Innerer Frieden entsteht nicht dadurch, dass du unangenehme Gefühle loswirst, sondern dadurch, dass du aufhörst, gegen sie zu kämpfen. Drei Schritte helfen: das Gefühl als Freund erkennen statt als Feind, bei ihm bleiben und zuhören, und die alte Annahme dahinter liebevoll korrigieren, wenn sie nicht mehr zur heutigen Realität passt.

Warum macht der Kampf gegen Gefühle so müde?

Weil er ein Kreislauf ist. Du willst ein unangenehmes Gefühl vermeiden, dadurch entsteht Anspannung, und diese Anspannung fühlt sich wieder schlecht an. Also kämpfst du erneut. Nicht das Gefühl kostet die Kraft, sondern der Widerstand dagegen.

Ist es nicht besser, einfach gute Gefühle anzustreben?

Das ist die andere Seite derselben Medaille. Wer sich anstrengt, gute Gefühle zu produzieren, kämpft weiterhin gegen das, was da ist. Sobald wieder etwas Unangenehmes auftaucht, beginnt der Kreislauf von vorn. Genauso erschöpfend, nur mit freundlicherem Etikett.

Wie entstehen Gefühle überhaupt?

Gefühle entstehen durch deine Beurteilung einer Situation, nicht durch die Situation selbst. Dieselbe E-Mail vom Chef kann Angst, Wut oder Dankbarkeit auslösen, je nachdem, welche Bedeutung du ihr gibst. Deshalb verändert sich dein Gefühl, sobald du die Annahme dahinter überprüfst.

Was bedeutet Frieden mit sich selbst zu finden?

Frieden mit sich selbst zu finden heißt, nichts mehr an sich bekämpfen zu müssen, um in Ordnung zu sein. Kein Gefühl muss verschwinden, kein Anteil muss weg. Der Frieden war die ganze Zeit da, er war nur vom eigenen Widerstand verdeckt.

Einladung

Ich habe begonnen, meine Erkenntnisse in Songs zu verwandeln. Nicht nur der Verstand soll sie hören, sondern auch das unbewusste System darunter. Mein Song „Ich höre auf zu kämpfen“ ist genau diesem Moment gewidmet. Dem Moment, in dem das Herz leise wird und wir zurückfinden zu uns selbst. Vielleicht ist es auch dein Moment.

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